Tasting-Notes Macallan Amber

Für die Whiskytrinker.
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Tasting-Notes Macallan Amber

Beitragvon NONkONFORM » Do 11. Mai 2017, 21:01

Hallo Community,

da momentan eher Whisky den Weg in mein Glas findet (hab in letzter Zeit unglaublich viel erworben/probiert), möchte ich Interessierten die Möglichkeit bieten, von meinen Erkenntnissen zu profitieren...
:roll:

Aktuell hatte ich mir die Frage gestellt, ob der Macallan Amber den Macallan 12y Sherry (ernsthaft) ablöst.
Laut allgemeinen Informationen soll das ja so sein, da der 12y Sherry nicht mehr nach Deutschland geliefert wird (offiziell halt!).
:irre:

Daher hatte ich mir zuvor ein Sample des Macallan 12y Sherrry besorgt und diesen in mehreren Sitzungen tiefgründig anaysiert.
Ergebnis: Großartig, unglaublich komplex und eine sagenhafte Eichennote im Abgang, welche ewig anhält und sowas von aromatisch und eigen ist. Eigentlich bin ich schon sehr skeptisch bei 40%- Abfüllungen, da ich diese mittlerweile zu vermeiden probiere, aber bei dem 12y Sherry hat mich der "niedrige" Alkoholgehalt nicht merklich gestört (von dem generellen "Wunsch nach mehr" einmal abgesehen).
Also hohe Meßlatte für den Amber ! :)


Hier mein Review des Gegenkanditaten:


Daten:
Es handelt sich um einen NAS-Whisky bei 40% vol. aus dem Hause Macallan, der auschließlich in Sherry-Fässern (aus Jerez in Spanien) gelagert wurde. Die Art des Sherry wird nicht genannt, es handelt sich aber vermutlich um PX und/oder Oloroso- Fässer. Nach meiner persönlichen Erfahrung wurden deutlich mehr Second-Fill- als First-Fill-Fässer verwendet.
Ist wohl kühlgefiltert, aber garantiert nicht gefärbt.
Infos wie: First Fill, Second Fill oder Mischungverhältnis konnte ich nicht finden, da anscheinend nicht publiziert.
Da NAS - auch keine Angaben zum Alter.

Aufmachung:
Hübsche Flasche mit ganz eigener Form (nach oben größer werdend, oval im Durchschnitt)
Farbgebung geschmackvoll, sieht edel aus.

In der Nase:
Sehr deutlich eine aromatische, komplexe Sherrynote mit einem Sammelsurium an Fruchtnoten: Zitrone, Orange, Mandarine, Feige, Pflaume, Melone etc....aber alles eher einen Tick frischer, als man es bei einem Sherry-Whisky in der Regel erwartet. Karamell und Vanille deutlich wahrnehmbar, bei intensivem Riechen erkennt man auch Eichentöne. Ein Hauch von Minze im dritten Glas.. ;)

Vergleich zum 12y Sherry:
Der 12er wirkte reifer, dunkler...mehr in die typische Sherry-Richtung (Trockenfrüchte etc.)

Im Mund:
Angenehm, aromatisch mit Karamell, Apfel und Orangenschale (aber nur ansatzweise bitter). Auch irgendwelche exotischen Früchte, vielleicht auch Banane. Der Alkoholgehalt von 40% vol. führt wider Erwarten nicht dazu, dass der Whisky zu flach schmeckt. Die Aromenkonzentration ist hoch genug, um hier keine Wässrigkeit wahrzunehmen. Der Antritt ist prinzipiell sehr ordentlich...kenne wenige 40% Whiskys, die da mithalten können. Ein wenig kann man wahrnehmen, dass hier auch jüngere Destillate den Weg in den Mischungsbottich gefunden haben. Man kann erahnen, dass bei der subtraktiven Reifung noch Optimierungspotential vorliegt.

Vergleich zum 12y Sherry: Der 12er ist mehr ausgewogen, weniger wild, glatter...Daher ist der Amber sehr wahrscheinlich mit einem Anteil jüngerer Whiskys abgefüllt worden (natürlich logisch...sonst würde ja irgendeine Zahl drauf stehen, die sich toll anhört)

Im Rachen:
Die fruchtigen Noten sind schnell weg, der Karamell-Ton hält sich ein wenig länger. Aber dann... :eek: kommt eine Eichennote von hinten angeschoben, die bemerkenswert ist. In der Einleitung hatte ich bereits erwähnt, dass ich in letzter Zeit eine Menge Stuff probiert habe. Daher möchte ich hier betonen, dass ich noch nie bei einem NAS-Whisky so eine deutlich hefitige Eichennote im Abgang erlebt habe. Langsam anschleichend wird die Eiche immer hefitiger und füllt den ganzen Mund minutenlang aus. Echt krass...aber nicht unangemehm. Die Eiche ist eher aromatisch und dominant, erwarte ich eigentlich erst bei Whiskys mit 18+ Jahren.
Natürlich muss man sich in diesem Fall klarmachen, dass so eine Eichenfracht nur aus der Quercus Robur stammen kann, da die Quercus Alba dies erst nach Jahrzehnten hervorbringt (und es sich um einen NAS Whisky handelt)
Aber...wow...das geht ab! :D

...kann aber auch sein, dass ich besonders empfänglich für Eichennoten bin und da eine unnatürlich gesteigerte Wahrnehmung habe. :lol:


Vergleich zum 12y Sherry: Von der Intensität würde ich aus meiner Erinnerung heraus sagen, dass der Anschlag beim Amber wesentich krasser ist (in Bezug auf die Eiche)...
Aber: Das Aroma der Eiche bei dem 12y Sherry ist viel interessanter und vor allem DELIKATER !
Der Abgang ist bei beiden Whisky gleichlang: nämlich unendlich !!!

Fazit:

Es handelt sich um unterschiedliche Whiskys...beide auf eine Art und Weise super lecker.
Im Vergleich verliert bei mir der Amber, ist aber auch viel günstiger.
Da das Eichenaroma des 12y Sherry jedoch so ein Alleinstellungsmerkmal besitzt und meinen persönlichen Geschmack zu 100% trifft, muss ich mir mindestens eine Flasche des 12y Sherry besorgen und so lange ich es aushalte bunkern (bevor ich zu gierig werde und den Korken ziehe), am liebsten die Version mit 43% (ist aber scheiße teuer)
Wenn ich die 12y Sherry- Version vorher nicht gekannt hätte und somit nicht vergleichen würde, wäre dieser Whisky für mich ein absolutes Top-Produkt. Aber so bin ich befangen und giere nach dem 12er.

Wer also einen 12y Sherry für einen korrekten Preis loswerden will, meldest sich unverzüglich bei mir.
:D
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Re: Tasting-Notes Macallan Amber

Beitragvon ica » Do 11. Mai 2017, 21:47

Schönes Tasting!

Bin zwar in der Whiskyszene nicht so drin aber so wie ich es verstehe werden viele der Standards (sprich um die 12YOs) nicht mehr in Europa verkauft da damit der Amerikanische Markt erschlossen werden soll. Siehe Glenlivet. Vereinzelt gibts den 12YO noch aber versuchen sie stattdessen diesen NAS mit blauem Label zu etablieren. Der ist auch einige Stufen schlechter.
Aber auch selbst die Macallans selbst sollen wohl im Laufe der Jahre extremst nachgelassen haben. Kann dazu aber selbst nicht viel sagen.
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Re: Tasting-Notes Macallan Amber

Beitragvon andi » Sa 13. Mai 2017, 09:34

Hallo,

ich würde mir wohl eher den Edition No2 zulegen. Der sollte alles haben, was den anderen an Wumms fehlt. 100-120€ noch erschwinglich und verfügbar. Also falls den mal jemand Teilen möchte ;)

Grüße

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Re: Tasting-Notes Macallan Amber

Beitragvon Nosferatu68 » Mo 22. Mai 2017, 20:48

Den Amber fass ich nicht mal mehr mit der Beißzange an :D Ich hatte mir den zu Anfang meiner Whiskykarriere gekauft und für eher durchschnittlich bis schlecht empfunden.

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Re: Tasting-Notes Macallan Amber

Beitragvon NONkONFORM » Mo 22. Mai 2017, 23:00

Nosferatu68 hat geschrieben:Den Amber fass ich nicht mal mehr mit der Beißzange an :D Ich hatte mir den zu Anfang meiner Whiskykarriere gekauft und für eher durchschnittlich bis schlecht empfunden.

Ich glaube, wenn du den Amber probiert hättest und da wäre der Name einer dir nicht bekannten Destillerie und eine Altersangabe auf dem Etikett verzeichnet, bestünde die Möglichkeit, dass du den Whisky besser beurteilt hättest.

Macallan weckt halt automatisch sehr hohe Erwartungen; du vergleichst mit anderen Macallan und NAS ist glaube ich auch kein Bonus für dich.
:mute: ;)
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